Ini hat geschrieben:
auch ich bin auf die Fortsetzung gespannt, lieber Lefteri!
vielen vielen Dank
liebe Grüße
Ini
Se fazes favor - bittschön:In Milfontes kauften wir einen portugiesischen Ton-Grill und ein kg Sardinen
sowie Brot und noch ein bissl Gemüse.
Dann zogen wir los, drei Mann im VW-Käfer,
quer über die kurvigen Straßen des Alentejo.
Vor der Tal-Überführung konnte man die Straße verlassen und unter die Brücke fahren,
das taten wir und grillten, und badeten im Bach.
Dann tuckerten wir einfach weiter auf dem Waldweg entlang des Baches.
Irgendwann kam ein Mann; Wolfgang fragte ihn,
ob man auf diese Weise nach Odemira (nächste Kreisstadt) käme -
er sah uns entgeistert an und fragte: "Warum nehmen Sie nicht die Straße ?"
Irgendwann versperrte ein querliegender Baum die Weiterfahrt.
Ein paar Meter zurück gab es einen Weg auf dem anderen Bachufer,
auch schien die Möglichkeit, den Bach zu durchfahren, gegeben.
Einmal Anlauf -platsch- und der Käfer war am anderen Ufer - Glück gehabt !
Irgendwie kamen wir an diesem Tag tatsächlich noch nach Odemira
- keine Ahnung mehr, was wir da wollten -
und irgendwann, schon bei Dunkelheit, überquerten wir eine kleine Brücke
(auf einer Teerstraße, bittschön), an der uns Wolfgang erklärte,
dass hier die Grenze zwischen Restportugal und der Algarve sei.
Wir fuhren durch bis Lagos und parkten an einem Golfplatz,
auf dem man laut Wolfgang gut schlafen könne, weil das Gras so schön weich sei.
Das stimmte, zudem war es völlig ruhig, ausser dass zwischendurch mal ein Hund kläffte,
bis am nächsten Morgen -es war schon hell- ein Zug laut pfeifend an uns vorbei fuhr -
quer durch den Golfplatz ging nämlich die Bahnlinie von Lagos nach Faro ...
Den Wecker hatten wir also schon mal gespart, und die Dusche kam auch bald,
in Form des Platzwarts, der uns freundlich bat, unsere Sachen auf die Seite zu räumen,
weil er jetzt die Rasensprenganlage in Betrieb nehmen müsse.
Dagegen, dass wir diese als Dusche missbrauchten, hatte er nichts.
Wir blieben fast eine Woche in Lagos und schliefen immer auf dem Golfplatz -
ich glaub nicht, dass so etwas heute noch geht.
Ansonsten lagen wir die meiste Zeit am Strand unterhalb der Lehmfelsen,
badeten und grillten,
schauten uns auch mal Lagos an und saßen am Denkmal des Königs Sebastião,
der so traurig dreinschaut -
wozu er auch allen Grund hatte
(
hier -5. Bild von oben- könnt Ihr ihn Euch anschauen).
Kam er doch -grad 24 Jahre alt- auf die Wahnsinnsidee,
mit einem hoffnungslos unterlegenen Heer Marokko erobern zu wollen -
er überlebte wie die meisten seiner Mitstreiter die
Schlacht von Alcazarquivir nicht,
sein Leichnam wurde nie gefunden.
Zurück in Lissabon stellte ich fest,
dass ich gar nicht mehr genug Benzingeld für die Rückfahrt hatte -
meine Mitfahrer von der Anreise wollten alle länger hierbleiben,
das war auch von vorherein so abgesprochen gewesen.
Ich setzte mich also in eine der Uni-Cafeterias
und verfasste einen großen Zettel in Englisch, Deutsch und -abenteuerlichem- Portugiesisch
mit dem Text, dass ich gegen Kostenbeteiligung eine Fahrt nach Heidelberg anbieten würde.
Korrigierte das Ganze mindestens dreimal, liess es kopieren
und hängte es in allen Lissaboner Mensen aus.
Nach zwei Tagen hatte ich Glück - es meldete sich ein brasilianisches Pärchen,
die nach Deutschland wollten, um dort einen gebrauchten Mercedes zu kaufen;
ich konnte sogar für meine letzten Tage in Lissabon bei ihnen wohnen.
Die Kommunikation war wohl etwas mühsam - sie sprachen nur Portugiesisch,
und zwar das für mich schwerer verständliche brasilianische.
Jedenfalls kamen wir nach dreitägiger Fahrt wohlbehalten in Heidelberg an,
ich machte mit ihnen eine Tour über die Schrottplätze,
und sie fuhren mit einem 12 Jahre alten Diesel-Daimler wieder los.
P.S. IEnde August waren sie abgereist,
Weihnachten waren sie schon wieder da -
sie hatten den Benz schon kaputtgefahren.
Diesmal half ihnen ein anderer Brasilianer;
aus dem Umstand, dass ich sie danach nie wieder gesehen habe,
könnte geschlossen werden, dass sie diesmal mehr Glück hatten ...
P.S. IIWolfgang schrieb mir Monate nach meiner Rückreise,
dass mein dreisprachiger Zettel noch immer in der Mensa hinge
und sich lebhafter Aufmerksamkeit erfreue.